Lebensraum Moor

Lebensraum Moor

Was sind Moore?

„O schaurig ist's übers Moor zu gehn, 
wenn es wimmelt vom Heiderauche, 
sich wie Phantome die Dünste drehn 
und die Ranke häkelt am Strauche, 
unter jedem Tritte ein Quellchen springt, 
wenn aus der Spalte es zischt und singt, 
o schaurig ist's übers Moor zu gehn, 
wenn das Röhricht knistert im Hauche!“…

aus „Der Knabe im Moor“ Annette von Droste-Hülshoff

Definition: Moor

Im wissenschaftlichen Sinn werden Moore als Gebiete bezeichnet, in denen Torf gebildet wird oder an der Oberfläche ansteht. Torf besteht zu einem sehr großen Anteil aus organischem Material, das aus aufwachsenden und absterbenden feuchtigkeitsliebenden Pflanzen besteht. Grundlage für die Torfbildung und Ansiedlung torfbildender Pflanzen ist der ganzjährig hohe Wasserstand bis an die Bodenoberfläche. Durch den Sauerstoffmangel werden abgestorbene Pflanzen nicht vollständig zersetzt. Die pflanzlichen Reste lassen Rückschlüsse auf die Genese der Moore zu und ermöglichen die Unterscheidung von Torfarten. Es wird mehr Material abgelagert als abgebaut – das Moor wächst in die Höhe (SUCCOW M. und JOOSTEN H. 2001; SCHOPP-GUTH A., 1999).

Standortfaktoren beeinflussen die Moorbildung

Die Moorentwicklung bzw. die Ausprägung der Vegetation an einem bestimmten Standort ist abhängig von zahlreichen Umweltbedingungen aus unterschiedlichen Bereichen (Klima, Boden, Relief, Hydrologie) - diese von außen wirkenden Einflüsse werden auch als Standort- faktoren bezeichnet. Für die Moorbildung sind vor allem die Standortfaktoren Wasserhaus- halt, Nährstoffgehalt und pH-Wert einscheidende Einflussgrößen.

Standortfaktor: Wasserhaushalt

Das Wasser ist eine entscheidende Einflussgröße bei der Moorbildung und -entwicklung.  Die Herkunft und die Qualität des Wassers, die Zuflussmenge und die Amplitude der Wasserstandsschwankungen bestimmen die Vegetation und somit die Torfart. Da ähnliche Ausgangsbedingungen auch zu ähnlichen Merkmalsausprägungen der Moore führen, können Moorlandschaften nach unterschiedlichen Gesichtspunkten typisiert werden. Es haben sich zwei maßgebliche Strategien der Mooreinordnung herausgebildet – die Einordnung in ökologische und hydrogenetische Moortypen.

Grundwasserpegel im Moor-
gebiet Woderich Bild:
Michael Künzel

Standortfaktor: Nährstoffgehalt

Die Verfügbarkeit an Pflanzennährstoffen wird auch als Trophie bezeichnet. Bei den Moor- standorten werden vier Stufen aufgrund ihres Verhältnisses von Kohlenstoff zu Stickstoff (C/N-Verhältnis) in den Torfen unterschieden.

Nährstoffgehalt

Einordnung

C/N-Verhältnis

sehr arm bis arm

oligotroph

33 bis > 40

ziemlich arm bis mittel

mesotroph

20 bis 33

kräftig bis reich

eutroph

10 bis 20

sehr reich bís extrem reich

polytroph

< 7 bis 10

Trophiestufen von Moorstandorten (SUCCOW, M. 2001)

Standortfaktor: pH-Wert

Neben dem Nährstoffangebot stellt das pH-Verhältnis eines Standortes eine wesentliche Einflussgröße für die Ausprägung eines Moores dar. Je nachdem, ob und in welchem Maße Kalk anwesend ist, spiegelt sich die Ausprägung der Vegetation wider. In SUCCOW, M. (2001) werden acht pH-Stufen unterschieden, die in drei Gruppen eingeteilt werden können.

Bezeichnung

pH-Wert

Einordnung

extrem, sehr stark, stark, mäßig sauer

< 2,4 bis 4,8

sauer

schwach bis sehr schwach sauer

4,8 bis 6,4

subneutral

neutral bis basisch

6,4 bis > 7,2

kalkhaltig

pH-Stufen von Moorstandorten (SUCCOW, M. 2001)

Entwicklung unterschiedlicher Torfarten

Was ist Torf?

Torf ist eine organische, von unten nach oben aufge- wachsene (sedentäre) Ablagerung, die aus abge- storbenem Pflanzenmaterial besteht. Aufgrund des Sauer- stoffmangels und durch die Wassersättigung im Moor werden die abgestorbenen Pflanzenteile nicht vollständig zersetzt. In wachsenden Mooren übertrifft die Torf- ablagerung die Abbaurate des pflanzlichen Materials - das Moor wächst also in die Höhe. Die Stoffbilanz dieser Lebensräume ist demzufolge positiv. Das Bild zeigt Holzreste, die von abgestorbenen und abgelagerten Bäumen stammen. Eine Analyse der Baumart ist meistens möglich, so dass auch auf die Standortbedingungen in der vergangenen Zeit geschlossen werden kann.

Im Bohrkern sind Holzreste enthalten, die darauf
schließen lassen, dass das Moor früher bewaldet
war. Bild: Antje Blohm

Unterscheidung von Torfarten

Pflanzenreste im Torf lassen die Bestimmung
der Torfart zu. Bild: Antje Blohm

Die Torfart ergibt sich aus den Pflanzenarten, die im Torf vorkommen. Je nach Standortfaktoren werden zum Beispiel in oligotroph-sauren Mooren unter anderem Bleichmoos-(Sphagnum)torfe gebildet, in mesotroph-sauren Mooren Wollgras-(Eriophorum vaginatum)torfe und in eutroph-kalkhaltigen Mooren Schilf-(Phragmites) torfe und Erlenbruch-(Alnus glutinosa)torfe.                    Auf dem Bild sind die Blattscheiden des Wollgrases zu erkennen, die im Torf eigelagert sind. Dieser Torf gehört jedenfalls abschnittsweise zu den Wollgrastorfen. Anhand der Tiefe in welcher die Pflanzenreste gefunden werden, kann näherungsweise das Alter bestimmt werden. Wenn man bedenkt, dass in einem Jahr ca. ein Millimeter Torf abgelagert wird, so sind Ablagerungen, die in einem Meter Tiefe gefunden werden +/- 1000 Jahre alt.

 

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