Pflanzen

Typische Hochmoorpflanzen

Verschwinden die Moore - verschwinden auch die Pflanzen - unwiederbringlich, für immer...

Die Hochmoorbiotope sind spezielle Lebensräume - nicht ganz Land und nicht ganz Wasser- biotope. Irgendwo dazwischen stellen sie besondere, teilweise lebensfeindliche Anforderungen an ihre Bewohner. Diese müssen mit wenig Sauerstoff und hohen Säurege- halten zurechtkommen. Die Pflanzen der regenwasserbestimmten Moore sind hochspezialisiert, sie wachsen an keinem anderen Ort. Gehen die charakteristischen Merkmale der Hochmoore durch die Entwässerungen verloren, werden als Folge davon die typischen Hochmoorarten ihren Lebensraum verlieren und verschwinden - unwiederbringlich, für immer.

Die typischste Hochmoorpflanze - das Torfmoos

Torfmoose (Sphagnum ssp.) sind an die wasserreichen, sauren und nährstoffarmen Verhältnisse in den Hochmooren angepasst. Sie haben keine Wurzeln und wachsen unablässig in die Höhe - während das Moos an seiner Spitze immer weiter nach oben wächst, sterben die unteren Moosteile ab. Sie bilden den sogenannten Torfmoos-Torf. Die Abbildung zeigt schemenhaft unterschiedliche Arten von Torfmoosen und deren Aufbau.

Abbildung: Peggy Zinke

Die Torfmoose sind die wichtigsten Torfbildner eines Hochmoores. Sie sind in der Lage das zwanzig- bis dreißigfache ihres Trockengewichtes an Wasser zu speichern - sie saugen sich also voll wie ein Schwamm. Diese Fähigkeit beruht auf Besonderheiten im Aufbau - die Blätter der Torfmoose verfügen nicht nur über Chlorophyllzellen für die Photosynthese, sondern auch über Hyalinzellen für die Wasserspeicherung. Eine weitere wichtige Eigenschaft der Torfmoose ist der Austausch von Ionen. Alkali- oder Erdalkaliiionen, wie Calcium und Magnesium werden in den Zellwänden eingelagert, während Wasserstoffionen an das umgebende Wasser abgegeben werden. Dies führt zu einer zunehmenden Versauerung des Bodenwassers. Dadurch verschlechtern sich die Lebensbedingungen für höhere Pflanzen und die Sphagnum-Arten bleiben konkurrenzfähig.

Das Erscheinungsbild der Torfmoose unterscheidet sich vor allem an der Farbe. Gelblich-grüne Arten, wie Sphagnum cuspidatum und Sphagnum tenellum besiedeln vorwiegend wassergefüllte Schlenken, sie wachsen unter Wasser oder nahe an der Wasseroberfläche. Rote oder rötlich-braune Arten, wie Sphagnum capillifolium und Sphagnum rubellum besiedeln vor allem die etwas trockeneren Bulte.

Die Torfmoose färben sich im Herst bunt
Bild: Kristin Eberhardt Die Torfmoose bilden teilweise große Teppiche aus
Bild: Kristin Eberhardt

Weitere interessante Informationen zum Thema Torfmoos finden Sie unter folgenden Internetseite von Eva-Maria Temsch.

Besonderheit - fleischfressende Pflanzen

Die Nährstoffarmut in den Mooren ist einer der beschränkenden Faktoren für die Ansiedlung höherer Pflanzen - die sogenannten Insektivoren decken ihren Stickstoffbedarf aus dem Eiweißgehalt ihrer Beutetiere. Der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia) ist ein Beispiel dafür - diese höhere Pflanze wächst auf den Torfmoosbulten offener Moorbereiche. Die Blätter sind mit abgerundeten Verdauungsdrüsen besetzt, welche auf Reize reagieren. An den Drüsenhaaren haften Tröpfchen klebrigen Verdauungssaftes an welchem kleine Tiere (Insekten, Spinnen) hängen bleiben und verdaut werden (COLDITZ, 1994).

Die Blattrosette mit den insektenfangenden 
Blättern liegt dicht am Boden an.
Bild: Hans Wellner Sonnentau wächst häufig auf den Torfmoospolstern,
wie hier im NSG

Zwergsträucher

Weitere charakteristische Arten der Hochmoore sind die Zwergsträucher. Diese Pflanzen bedienen sich einer weiteren Möglichkeit die Nährstoffarmut des Bodens zu überwinden: An ihren Wurzeln haben sich Pilze angesiedelt mit denen die Pflanzen in Symbiose (Mykorrhiza) leben. Die Hyphen der Pilze sorgen für eine bessere Nährstoffaufnahme der Pflanzen (COLDITZ, 1994). Einige von ihnen sind speziell an den Moorlebensraum gebundene Pflanzen, wie die Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), die Rosmarinhaide (Andromeda polifolia), die Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) und die Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) - sie wachsen ausschließlich auf Torf. Andere Arten, wie Heidekraut (Calluna vulgaris), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) und Preiselbeere (Vaccinium vitis-idea), wachsen auch auf mineralischen Waldböden. Ideale Wachstumsbedingungen finden aber alle Zwergsträucher auf sauren Bodensubstraten, welche der Torf ihnen bietet.

Das Heidekraut (Calluna vulgaris) wächst auf trockeneren Bereichen und gibt den Mooren im Herbst einen letzten farbigen Anstrich.

Bild: Kristin Eberhardt

Die Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) ist eine immergrüne Pflanze, die kriechende Ausläufer bildet an denen kleine lederartige Blätter wachsen. Im Herbst tragen die Ausläufer verhältnis- mäßig große, rote und feste Früchte, die direkt auf dem Boden aufliegen.

Bild: Kristin Eberhardt

Die Rosmarinheide (Andromeda polifolia) ist ein Eiszeitrelikt und in vielen teilweise auch noch gut er- haltenen Mooren, wie dem Georgen- felder Hochmoor im Osterzgebirge, schon verschwunden. Im NSG Mot- häuser Haide ist die, in Sachsen als stark gefährdet eingestufte Art (Rote Liste - 2), glücklicherweise noch er- halten.

Bild: Kristin Eberhardt

Die Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) wächst ausschließ- lich auf Torf. Sie trägt blaue, heidelbeerähnliche Früchte, die im inneren aber weiß sind. Es wird gesagt, dass man beim Verzehr einer großen Menge dieser Früchte in einen rausch- ähnlichen Zustand verfällt. Bewiesen ist das jedoch nicht.

Bild: Kristin Eberhardt

Preiselbeeren (Vaccinium vitis-idea) sind immergrüne Zwerg- sträucher, die im Herbst tiefrote, etwas herb schmeckende Früchte bilden. Sie finden auf dem sauren Boden ideale Wachstumsbe- dingungen.

Bild: Kristin Eberhardt

Die Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) ist nur noch in gut erhaltenen Mooren, wie hier im NSG Kleiner Kranichsee erhalten geblieben. Sie wird auf der Roten Liste Sachsen als gefährdet (3) eingestuft.

Die blauen Beeren auf dem Foto stammen nicht von der Schwarzen Krähenbeere sondern von den mit im Komplex wachsenden Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus).

Bild: Kristin Eberhardt

Moortypische, höhere Pflanzen

Zu den höheren Pflanzen, die sich in Mooren ansiedeln, gehören vor allem Sauergräser. Charakteristische Arten sind vor allem das scheidige Wollgras (Eriophorum vaginatum) und das schmalblättrige Wollgras (Eriophorum angustifolium). Beide Arten lassen an den weißen Fruchtbüscheln, die etwa im Juni erscheinen, gut erkennen. Dann schmücken sie ganze Moorbereiche mit ihren watteballartigen Früchten.

Während das scheidige Woll- gras (links) nur einen Frucht- stand je Stiel trägt, befinden sich beim schmalblättigen Wollgras (rechts) mehrere Frucht- stände an einem Stiel.

Bilder: Kristin Eberhardt

Eine Fläche auf dem Moorlehrpfad Stengelhaide, die im Juni über und über mit Wollgrasbüscheln bedeckt ist.
Bild: kristin Eberhardt

Moortypische Gehölze

Trockenere Moorbereich zum Beispiel der Randgehänge oder auch entwässerte Moore werden von moortypischen Gehölzen besiedelt. Dazu gehören die Bergkiefer (Pinus mugo) als Latschenform ausgeprägt (Pinus mugo ssp. rotundata) und die aufrechte Form der Latschenkiefer, die Spirke (Pinus mugo ssp. uncinata). Weiterhin die Moorbirke (Betula pubecsens). Wenn die Bedingungen zu trocken werden, sind auch die Kiefern nicht mehr konkurreznfähig und werden von Fichten verdrängt, dann entwickelt sich beginnend in den Randbereichen ein Fichten-Moorwald heraus.

Ein typischer Bergkiefern-Moorwald, mit Latschen-
kiefern und Rauschbeeren im Unterwuchs. 
Bild: Kristin Eberhardt Ein Birkenmoorwald im Moorgebiet Stengelhaide
Bild: Kristin Eberhardt

 

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