Philipphaide

Die Philipphaide

Lage: östlich von Satzung im Erzgebirgskreis auf eine Höhe von 790m bis 820m NN

FFH-Gebiet: kein FFH-Gebiet

SPA-Gebiet: Erzgebirgskamm bei Satzung landesinterne Kennnummer: 71)

Die Latten der Bretterdämme werden an Stützpfosten
angenagelt. Der Bau der Staudämme ist schwere 
körperliche Arbeit.

Kurzcharakteristik:
Mit einer Fläche von ca. 45 ha gehört die Philipphaide zu den großen Mooren des sächs- ischen Erzgebirges. Sie ist ein Wasserscheiden- moor mit einer stark asymmetrischen Form. Sie setzt sich aus drei Moorkernen zusammen. Die Torfauflage erreicht in der Philipphaide Mächtig- keiten von über 3 m. Der südliche Moorkern ist im Bereich der ehemals größten Torfmächtigkeit dem Torfabbau zum Opfer gefallen. Der gesamte Torf- körper wird durch ein engmaschiges Grabennetz stark entwässert. Während die Anlage der Entwässerungsgräben 1828 begann, existierte bereits um 1580 ein Floßgraben am Rand des nördlichen Moorkerns.
Die Philipphaide weist neben wenigen offenen Bereichen eine lichte bis geschlossene Be- stockung mit Nadelgehölzen oder Birken auf. Die Krautschicht wird meist von Zwergsträuchern dominiert. Vorkommende typische Moorpflanzen sind Scheidiges und Schmalblättriges Wollgras, Rauschbeere und Moosbeere. In der Philipphaide existieren mindestens zehn Torfmoosarten, unter anderem das in Sachsen vom Aussterben bedrohte Sphagnum magellanicum. Bei faunistischen Unter- suchungen konnten die hochmoortypischen Webspinnen
Agyneta cauta und Pirata uliginosus sowie mehrere zumindest im Erzgebirge die Hochmoore deutlich bevorzugende Kurzflügelkäfer nachgewiesen werden. Durch Losungsfunde wurde wiederholt bestätigt, dass die Philipphaide vom Birkhuhn als Einstandsgebiet genutzt wird.
 

Die Moore befinden sich vor allem in den Kammlagen 
des Erzgebirges. Frosttage kommen teilweise schon
im September vor.

Maßnahmenumsetzung:
Im Jahr 1999 wurde im Rahmen einer Diplomarbeit mit vegetationskundlichen und faunistischen Untersuchungen sowie einer Grabenkartierung begonnen. Bis 2004 folgten eine flächendeckende Vermessung und ein hydrologisches Gutachten mit konkretisierten Maßnahmenvorschlägen. Im Jahr 2006 begann die Umsetzung von Maßnahmen zum Wasserrückhalt im südöstlichen Ausläufer der Philipphaide sowie im nördlichen Moorkern durch den Einbau von Holzspundwand- und Bretterdämmen in den Entwässerungsgräben. Als Ergebnis einer zum Moorprojekt im Naturpark durchgeführten Fachtagung wurde anschließend das manuelle Verfüllen eines sehr tiefen Grabenabschnittes mit Sägemehl (aus unbehandeltem Holz) erprobt. Das Sägemehl ist mit vor Ort gewonnenen Torfsoden abzudecken. Zu der Methode gibt es bisher gute Erfahrungen aus Moorprojekten in der Schweiz. Eine Erprobung bot sich in der Philipphaide aufgrund der teilweise sehr tiefen Gräben an. Einerseits entstehen durch das Verfüllen nicht die tiefen Wasserflächen in den Gräben, die nur sehr langsam mit Torfmoosen zuwachsen und andererseits unterstützt die Kapillarwirkung im Sägemehl eine gleichmäßige Anhebung des Moorwasserstandes. Es hat sich gezeigt, dass die Methode wirksam ist, jedoch ein Technikeinsatz unumgänglich erscheint. Der Bau von Grabenanstaus wird im Jahr 2010 mit der Umsetzung des sechsten Bauabschnitts im westlichen Moorkern weitergeführt. Für die Realisierung weiterer Maßnahmen wird der Einsatz von Technik geprüft.
 

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