Scheibenberger Heide

Lage:     zwischen Crottendorf und Scheibenberg ca. 680 mNN

FFH-Gebiet: Scheibenberger Heide EU-Nr. 5443-302, Landes-Nr.269

Kurzcharakteristik:
Die Scheibenberger Heide befindet sich auf den Fluren der Stadt Scheibenberg und der Gemeinde Crottendorf im Landkreis Annaberg in 640 bis 695 m ü. NN. Sie stellt ein seit langem abgetorftes, durch Grundwasser-Absenkungen und ein umfangreiches Grabensystem intensiv entwässertes Moorgebiet dar. Hydrologisch-entwicklungsgeschichtlich handelte es sich vermutlich um einen Komplex aus Hang-, Versumpfungs- und Quellmoorbildungen mit aufgewachsenem Regenmoor. Nach älteren pollenanalytischen Untersuchungen begann die Moorentwicklung vor ca. 8200 bis 9700 Jahren. Der überwiegende Teil der Scheibenberger Heide wird inzwischen forstlich genutzt. Die noch verbliebenen Offenbereiche sind ökologisch sehr wertvoll und teilweise als Flächennaturdenkmal geschützt. Zudem ist die gesamte Scheibenberger Heide als europäisches Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) ausgewiesen. Immerhin kommen heute noch mehr als zehn Torfmoosarten vor.
In den neunziger Jahren wurde die Scheibenberger Heide von Herrn Harald Gräbner betreut. Er entwickelte ab 1992 in unermüdlicher, überwiegend ehrenamtlicher Arbeit unterschiedliche manuell ausführbare Verbautechnologien speziell für den Verschluss der tief in den mineralischen Untergrund eingeschnittenen Gräben. Damit konnte er eine Wiedervernässung von ca. 10 % der ehemaligen Moorfläche erzielen. Als wesentliches Resultat der Arbeit entstand die Korsettbauweise. Sie wurde inzwischen auch in weiteren Moorstandorten z. B. durch das Naturschutzzentrum Annaberg erfolgreich eingesetzt. Für seine 10jährige Tätigkeit zur Moorrenaturierung im Erzgebirge wurde Harald Gräbner im Jahr 2000 mit einem 1. Platz beim Feldschlösschen-Naturschutzpreis geehrt.

Maßnahmen:
In Fortführung der bisherigen Moorrevitalisierungsmaßnahmen und zur Umsetzung der Managementplanung für das FFH-Gebiet wurde im Herbst 2005 ein hydrologisches Gutachten sowie die Vermessung des westlichen Offenbereichs durch den Umweltfachbereich des Regierungspräsidiums Chemnitz in Auftrag gegeben. Im Jahr 2007 erfolgte die Umsetzung von fünf Maßnahmen: zwei weiteren Korsettdämmen, einem Bretterdamm und zwei Verrieselungsgräben. Letztere bewirken ein Wiedereinleiten von Wasser aus dem hydrologischen Einzugsgebiet des Moores. Das Wasser wurde vorher teilweise durch Entwässerungsgräben am Moor vorbei geführt und dient nun wieder der Speisung der Torf(stich)flächen. Mit den durchgeführten Maßnahmen konnte die Wiedervernässung der westlichen Scheibenberger Heide abgeschlossen werden.